Momentaufnahme

Wir legen ab

Ostsee

Es gibt einen Moment, in dem aus Planung Bewegung wird. Meistens ist er erstaunlich leise.

Es gibt diesen kurzen Augenblick, in dem alles noch fest ist – und gleichzeitig schon in Bewegung. Die Leinen liegen schwer in der Hand, als wüssten sie, dass sie gleich loslassen müssen. Die Princess Sophie wirkt ruhig, fast abwartend.

Ralf steht dort, wo er stehen muss, und sagt nicht mehr als nötig. Jan hat die Abläufe im Kopf längst durchgespielt, zweimal mindestens. Es ist keine Nervosität, eher eine konzentrierte Wachheit, die keinen Platz für überflüssige Worte lässt.

An Deck wird gearbeitet, aber ohne Hast. Jürgen löst eine Leine, als würde er ein Versprechen einlösen. Hellmut prüft noch einmal einen Knoten, einfach weil man das so macht. Manuela wirft einen letzten Blick zurück, nicht lange, nur so viel, dass es reicht.

Dann passiert es: Die erste Leine fällt. Ein unspektakuläres Geräusch. Kein Applaus, kein Kommentar. Nur Bewegung.

Langsam schiebt sich das Schiff vom Steg weg. Erst zögerlich, fast vorsichtig – als wolle es prüfen, ob wirklich alle bereit sind. Dann klarer, entschlossener. Der Abstand wächst, der Hafen wird zur Kulisse, die man nicht mehr betreten kann.

Und mit jedem Meter verschiebt sich etwas. Gedanken ordnen sich neu, Prioritäten werden einfacher. Was vorher wichtig schien, bleibt zurück. Was vor einem liegt, übernimmt leise die Führung.

Die Princess Sophie nimmt Fahrt auf, und mit ihr die Gewissheit: Man kann viel planen. Aber irgendwann muss man loslassen.

„Man kann den Wind nicht ändern, aber die Segel anders setzen.“ 

Aristoteles