Reiseberichte

Etappe 3 – das Mittelmeer zeigt Charakter

Gründlich durchgecheckt steht sie da / Und wartet auf den Start, alles klar

Kaum durch Gibraltar, zeigt das Mittelmeer direkt, dass es nicht nur Postkarten kann. In der ersten Nacht viel Wind, viel Welle – und erste Gedanken an Bord, ob Segeln wirklich immer die beste aller Ideen ist. Das Dinghi entscheidet sich nachts um drei, einmal die Perspektive zu wechseln und auf dem Rücken zu treiben. Der Rettungsversuch endet – sagen wir: unerwartet medizinisch – in Almería.

Nach einer kurzen Pause geht es weiter – und dann folgen sieben Tage und Nächte am Stück bis nach Olbia. Eine dieser Strecken, in denen Zeit und Raum anfangen, sich anders anzufühlen. In Olbia treffen wir Alex, einen der Söhne des Voreigners. Ein besonderer Moment, weil plötzlich Geschichten, Vergangenheit und Gegenwart zusammenkommen. Gemeinsam segeln wir in eine ruhige Bucht, lassen den Abend ausklingen und merken, wie viel von diesem Schiff auch aus den Menschen besteht, die es geprägt haben.

Ventotene – soziale Netzwerke, analog und digital

Von Sardinien geht es weiter über Palmarola nach Ponza, wo uns 55 Knoten Wind im Hafen einmal kurz daran erinnern, wer hier eigentlich das Sagen hat. Wir lösen uns aus der Situation, warten draußen ab und finden später Schutz in einer ruhigeren Bucht. Am nächsten Tag erreichen wir Ventotene – eine Insel, die klein ist, aber sofort Nähe schafft. Wir schicken Kosy als Botschafterin voraus, gewissermaßen zur Kontaktaufnahme. Und sie macht ihren Job hervorragend. Während sie die ersten sozialen Brücken schlägt, übernimmt Elias den digitalen Teil der Mission: Auf der Suche nach ihr lernt er gefühlt die halbe Insel kennen – inklusive sämtlicher relevanter WhatsApp-Gruppen. 

Sollte Ventotene irgendwann eine präzise Einwohnerzählung brauchen: Elias wäre vorbereitet.

Capri – unter einem steinernen Herz

Der Schlag nach Capri beginnt unspektakulär, entwickelt sich aber zu einem dieser Tage, die man nicht planen kann. 38 Seemeilen, moderater Wind, ein ruhiger Rhythmus. Am Ende ankern wir vor der Grotta Verde im Süden der Insel. Dort, unter der Decke der Grotte, zeichnet sich im Fels ein Herz ab – ein Ort, der fast schon zu perfekt wirkt, um zufällig zu sein. Und genau dort stellt Elias die Frage aller Fragen. In diesem Licht, in dieser Stille, unter diesem steinernen Herz sagt Felicitas: Ja. Ein Moment nur für die Beiden. und ich freue mich dass dieser Moment bei dieser Reise stattgefunden hat. Der Sonnenuntergang vor Capri übernimmt den Rest und macht aus einem Moment eine Erinnerung, die bleibt.

Der Anker, der bleiben wollte

Am nächsten Morgen dann Realität: Wind, Welle, eine Kette, die schlägt – und ein Anker, der sich weigert, mitzukommen. Zu tief zum Tauchen, keine Hilfe in Sicht. Also setzen wir ein „PAN PAN“ ab. Radio Napoli reagiert, die Küstenwache organisiert einen Taucher, der mit schwerem Gerät eine Stunde arbeitet. Für 600 Euro kommt der Anker zurück an Bord. Um 11 Uhr geht es weiter. Ein später Start, aber einer mit Geschichte.

Stromboli – Feuer in der Nacht

Der letzte große Schlag führt Richtung Stromboli. Unterwegs sorgt ein 20-Kilo-Thunfisch, den Elias aus dem Wasser zieht, für eine ganz eigene Art von Luxus: Sashimi, Tartar und Steak an Bord, der Rest wird vakuumiert für später. Kurz nach Mitternacht taucht Stromboli am Horizont auf. Noch 35 Seemeilen entfernt – und doch schon präsent. Er raucht, glüht, spuckt. Schwarzer Rauch steigt auf, dahinter Wetterleuchten. Ein lebender Berg, der keine Rücksicht auf Beobachter nimmt. Ein Moment zwischen Staunen und Respekt. Ankommen

Schließlich erreichen wir Milazzo. Nicht spektakulär. Nicht laut. Sondern genau richtig: ruhig, müde, zufrieden.

Etappe 3 endet exakt im Zeitplan, den wir vor sechs Monaten entworfen haben. Und das ist vielleicht das Erstaunlichste an allem.